Fallobst

Die Apfelbäume hingen einst voller weißer Blüten,

doch einige erschienen von Schönheit wie betäubt.

Die andern haben Bienen mit Pollen gern bestäubt,

damit im Herbstwind singen, die für die Sonne glühten.

 

Bald trugen warme Winde den Sommer übers Land

So manche Liebesweise erklang am Wurzelschuh

Die Äpfel rauschten leise und hörten reifend zu

und in des Baumes Rinde schrieb manches Herz die Hand.

 

Die reifen Äpfel ließen im Herbst sich gerne fallen.

Nur einer ganz weit oben, ein großer, gern gesehen,

der wartet noch auf einen, der nah bei ihm geboren,

 

kann in des Herbstes Fließen nicht fliegen mit den allen,

wiewohl im Windestoben ihm schon die Blätter wehen,

ist doch das Herz des seinen im Frühling schon erfroren.

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Falsche Limericks (1) (für alle, die es nicht so eng sehen)

Einleitung

Man sagt, zu einem Limerick

gehöre Ort und auch Metrik

ist mir egal,

denn dieses Mal

löscht „falsch“ mein kleines Missgeschick.

 

Leben

Bei strahlend blauem Himmel

herrscht fröhliches Gewimmel

und aus dem Schrank

kommt der Gestank

das Brot ist voller Schimmel.

 

Lieben

Sie hält den Hund an Leinen

mit seinen kurzen Beinen.

Nach „Leinen los“

in Frauchens Schoß

Geliebten hat sie keinen.

 

Leiden

Dort Über’m See erschraken

ganz plötzlich alle Schnaken

Der Fisch verschlang

den Wurm, sah bang:

Die Sache hat ’nen Haken.

Schlussstrich

„Es muss doch mal Schluss sein“, war Opas Gedanke.
„Ich habe doch niemandem Böses getan.
Ich wollte nur Gutes, doch für Fremde und Kranke,
Zigeuner(*) und Juden war kein Platz im Plan“

„Es muss doch mal Schluss sein“, das sagtest du immer.
Du wolltest geordnetes Volkseinerlei.
„Wo soll das noch hinführen? Macht es nicht noch schlimmer!“
Du liebst unser Land doch nur „ausländerfrei.“

„Es muss doch mal Schluss sein“, beklagst du noch immer.
„Es kommen zu viele der Araber an.“
„Wo soll das noch hinführen? Gebt denen kein Zimmer!“
Was sind deine Ziele? „Das Haus glaubt jetzt dran.“(**)

„Es muss doch mal Schluss sein“, das wirst du noch sagen,
wenn einmal dein Kind nach Verantwortung fragt.
„Hätt’ ich’s nicht getan, ging es mir an den Kragen“,
Behauptest du dann, wenn man gegen dich klagt.

 

Anmerkungen:

(*)Da die Haltung des „Zitierten“ hier offensichtlich ist, wäre es unrealistisch, die verwendete abwertende Bezeichnung zu ändern.

(**) Dafür gibt es leider viel zu viele Beispiele, ebenso wie für andere Formen von Gewalt gegen Schutzsuchende.

(***) Ich habe es erst nach dem Schreiben gemerkt, aber das passt (völlig ungeplant) zum Projekt Gegen das Vergessen, das ich deshalb hier verlinke.

Nostalgie (Gedicht eines Greises)

Es war an einem Sommertag – der Juni war noch bunter,

als zur schönen Weihnachtszeit Schnee leise rieseln konnte -,

da sah ich, der am Strande lag – die Sonne ging grad unter –

ein Mädchen, das im Sommerkleid sich auf den Kieseln sonnte.

 

Der Tag, er ist so lange her, dass ich mich nicht entsinne,

wann dieses wohl gewesen ist, wie viel an Zeit vergangen.

Ach, zuzugeben fällt mir schwer, dass ich im Kopf wohl spinne,

nach dieser viel zu langen Frist nach jener zu verlangen.

 

„Ach hätte ich, ach könnte ich…“ vergeblich meine Klage,

denn ich bin ja auch selber schuld: Nostalgisch nach dem Alten

bedauerte ich damals mich, weil ohne jede Frage

die ehemals erfahrne Huld und Liebe wollt erkalten.

 

Trägt langsam wohl die Sorgen fort der Schleier durch Vergessen?

Bleibt von Gewalt an jedem Ort nur friedlich Weihnachtsessen?

Wird eines Tages dieses Jahr mein (k)altes Herz erweichen?

Wird die Erinnerung sogar dem schönen Mädchen gleichen?